Zum Buch:
Die Vanille – das ist er: Edmond, ein Schwarzes Waisenkind, das 1829 auf der Île de Bourbon dem selbsternannten Botaniker und Witwer Ferréol Bellier-Beaumont von seiner Schwester Elvire in die Arme gelegt wird. Der versklavte kreolische Junge löst, kaum 12-jährig, das Rätsel, wie die Blüte der Vanille von Hand bestäubt werden kann. Einfühlsam und authentisch erzählt die auf La Réunion geborene Autorin Gaȅlle Bélem das Schicksal des weithin unbekannten Entdeckers Edmond Albius, der das Leben auf der Insel für immer verändert hat.
Ferréol hat seit jeher alles darangesetzt, die seltenste Orchidee der Welt auf seiner Insel zu finden. Und dann gelingt es ausgerechnet dem Schwarzen Jungen, den er vor Jahren in einer Schubkarre durch seine Gewächshäuser gefahren hat, das Geheimnis der seltensten Frucht zu lüften! Edmond besitzt zudem noch die Kühnheit, sich als Lohn von ihm, dem Ziehvater und Eigentümer, wenige Monate vor dem 15. Geburtstag das Geschenk der Freiheit zu erbitten.
Sie wird dem Jungen nicht gewährt. Auch wenn er mit seiner Entdeckung den Grundstein des übermäßigen Reichtums aller Plantagenbesitzer auf der Île de Bourbon gelegt hat, die jetzt Vanille anbauen und zu teuren Preisen in die ganze Welt exportieren können.
Das Leben in den Vanillehainen seines Herren wird Edmond von da an bitter. Als er nach Abschaffung der Sklaverei mit 19 Jahren in die Freiheit entlassen wird, muss er am eigenen Leib erfahren, dass ein Schwarzer dafür einen hohen Preis zahlt. Seine Anstellung als Hilfskoch endet mit einer Anklage wegen Diebstahls, und Edmond wird ins Gefängnis geworfen.
„Gott ist weiß, Afrika ist Schwarz. Da gibt es nichts zu diskutieren.“ – so fasst Bélem das Gesetz der kolonialen Unterdrückung in Worte. Der Tonfall ihrer romanhaften Biographie ist alles andere als sentimental, und gerade deshalb gelingt es ihr, Leserinnen und Leser in den Bann dieser ungeheuerlichen Geschichte zu ziehen.
Susanne Rikl, München