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Autor
Reybrouck, David van

Kongo

Untertitel
Eine Geschichte. Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert
Beschreibung

Zu allen Zeiten war der Kongo, dieses so reiche Land, geprägt von Ausbeutung, Krieg, Hungersnot und Gewaltherrschaft, und noch nie ist so deutlich und verständlich darüber berichtet worden wie in diesem ausgezeichneten Sachbuch. Die Geschichte des Kongo ist eine Geschichte, wie sie wohl mit keinem anderen Ex-Kolonialland vergleichbar ist. Und der, der sie geschrieben, der das Land ein Dutzend Mal bereist und Hunderte Gespräche und Interviews geführt hat, ist ein Meister seines Fachs.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Suhrkamp Verlag, 2012
Format
Gebunden
Seiten
782 Seiten
ISBN/EAN
978-3-518-42307-3
Preis
29,95 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

David Van Reybrouck, geboren 1971 in Brügge, ist Schriftsteller, Dramatiker, Journalist, Archäologe und Historiker. Mit Kongo hat er in Belgien und in den Niederlanden einen Bestseller gelandet. Sein Theaterstück Mission, das auf Interviews basiert, die er für Kongo führte, war 2011 ein großer Erfolg bei den Wiener Festwochen und 2010 bei den Berliner Festspielen.

Zum Buch:

Ein Außenbezirk von Kinshasa. Papa Nkasi, dessen dürre Beinchen über der Bettkante baumeln, hockt in seiner Wellblechhütte und rasiert sich im Licht einer flackernden Glühbirne mit einer abgebrochenen Wegwerfklinge. Trocken. Ohne Schaum. Ohne Wasser. Er spannt mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand die ledrige Haut über dem Wangenknochen und schabt mit der anderen, klopft ab und schabt. Es ist brütendheiß in der Hütte. Von draußen dringt das Schreien spielender Kinder herein, das überall auf der Welt gleich klingt. Hunde bellen in der Nachbarschaft. Der belgische Journalist David Van Reybrouck, zu seinen Füßen eine warme Fantadose, sitzt dem alten Mann in einem Autositz gegenüber und verdirbt sich bei dem wenigen Licht die Augen, da er sich seit Stunden mit nur kurzen Unterbrechungen wie rasend Notizen macht. In nächsten Augenblick schaut der 37jährige auf. Er weiß, vor diesem Tag hätte er sich im Leben nicht träumen lassen, jemandem einmal diese Frage zu stellen:
»Aber haben Sie dann Stanley noch gekannt?«

Papa Nkasi ist über 120 Jahre alt. Er hält kurz inne, klopft dann gemächlich die Rasierklinge auf der Bettkante ab und antwortet: »Stanley? Nein, den habe ich nie gesehen. Lutunu habe ich aber noch gekannt, einer seiner Boys. Er kam aus Gombe-Matadi, nicht weit weg von uns. Er trug nie Hosen.«

Hunderte Interviews und Gespräche mit ehemaligen Kindersoldaten, mit Missionaren, Kaufleuten, Rebellenführern, Waffenschmugglern und Politikern führte Van Reybrouck während seiner ausgedehnten Recherchereisen kreuz und quer durch den Kongo. Daraus entstanden ist ein völlig neues Bild des riesigen, an Bodenschätzen enorm reichen zentralafrikanischen Landes, dessen Geschicke zu allen Zeiten geprägt waren von Ausbeutung, menschenverachtender Gewaltherrschaft, Krieg und Korruption. Angefangen mit der Schreckensherrschaft des belgischen Königs Leopolds II, der seinem vergleichsweise winzigen Land unbedingt eine eigene Kolonie hinzufügen wollte, gefolgt von der viel zu überhasteten Entlassung in die Unabhängigkeit, die 32jährigen Diktatur Mobutus, der das Land in Zaire umbenannte und seine brutalen Söldnerarmeen in allen Winkel des Landes wie Tiere wüten liess, zum Erbe des Rebellenführers Kabila und bis hinein in die nicht eben glücklich scheinende Zukunft der Demokratischen Republik Kongo.

Was dieses nach seinem Erscheinen sogleich mehrfach ausgezeichnete Sachbuch ausmacht, ist nicht allein der Gehalt an Informationen und Hintergrundwissen, für die der Autor zahlreiche bisher unbekannte Dokumente heranziehen konnte. Vielmehr ist es gerade die Tatsache, dass sich Van Reybrouck immer wieder in den Text einbringt, dass wir, die Leser, ihn quasi auf seiner Reise begleiten können und somit das Gelesene enorm an Lebendigkeit und Verständlichkeit gewinnt. Anders ausgedrückt, der Mann schreibt so unglaublich gut, dass ich, von ihm auch ein Buch über Recklinghausen sofort lesen würde, wenn er denn eins schriebe. Ich weiß, Sie verstehen, was ich meine. „Kongo. Eine Geschichte“, ist genau das: eine verdammt spannend geschriebene Geschichte. Dieses Werk wird die Jahre überdauern und immer dann, wenn die Sprache auf den Kongo kommt, herangezogen werden.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln