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Offener Himmel

Autor
Wajsbrot, Cécile

Offener Himmel

Untertitel
Roman. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
Beschreibung

Eine junge Frau, verschwindet aus einem Kinderleben: Stewardess, Patentante und für das Kind die „Reisefee“, die ihm Ansichtskarten aus fernen Ländern schrieb und bunte Geschenke aus exotischen Ländern mitbrachte. Lange bleibt das Verschwinden unerklärt. Dann erfährt das Mädchen: die junge Frau sei tot, sie sei im Mai 1961 abgestürzt mit Flug AF406 über der algerischen Wüste. Es gab keine Überlebenden. Und es gab nur unklare und spärliche Angaben über die Gründe für den Absturz. Jahrzehnte später sucht die jetzt erwachsene Frau, für dieses Verschwinden nach Antworten.

Langsam, sehr langsam schält sich die reale Geschichte einer Flugzeugkatastrophe aus einem absolut faszinierenden Geflecht aus Reflektionen zu Tod und Leben, Ferne und Nähe, Reisen, Fliegen und Raumfahrt heraus. Der meisterhaft komponierte Assoziationsreigen, der sich aus Philosophie, Literatur, Kunst, Musik, Science fiction, Film, ja der gesamten condition humaine speist, übt einen melancholischen Zauber aus, dem man sich kaum entziehen kann. Am Ende bleibt man staunend zurück – und der Blick auf den „offenen Himmel“ wird für lange Zeit ein anderer sein.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Wallstein Verlag, 2026
Seiten
181
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-8353-5982-6
Preis
23,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Cécile Wajsbrot, 1954 in Paris geboren, schreibt Romane – manchmal auch Essays und Hörspiele. Sie übersetzt aus dem Englischen (u. a. Virginia Woolf) und aus dem Deutschen (u. a. Marcel Beyer, Peter Kurzeck). Sie lebt abwechselnd in Paris und in Berlin.
2007 war sie Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Seit 2017 ist Sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie seit 2019 der Akademie der Künste in Berlin. 2014 erhielt sie den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, 2016 den Prix de l`Académie de Berlin. 2024 erhielt sie den Grand Prix de Littérature Henri Gal und den Aleksandar Tiśma International Prize. Im selben Jahr wurde sie für ihren Roman »Nevermore« mit dem Literaturpreis der Darmstädter Jury ausgezeichnet.

Holger Fock und Sabine Müller übersetzen seit 30 Jahren französische Literatur u. a. von Patrick Deville, Mathias Énard, Alain Mabanckou, Olivier Rolin, Mohamed Mbougar Sarr, Cécile Wajsbrot und Antoine Volodine.
Für ihre Arbeit erhielten sie viele Auszeichnungen, darunter 2011 den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis, 2023 den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt und den Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds.

Zum Buch:

Eine junge Frau, verschwindet aus einem Kinderleben: Stewardess, Patentante und für das Kind die „Reisefee“, die ihm Ansichtskarten aus fernen Ländern schrieb und bunte Geschenke aus exotischen Ländern mitbrachte, eine „fröhliche, lebhafte, lebendige junge Frau – die Farbe in eine Schwarzweißwelt brachte“. Lange bleibt das Verschwinden unerklärt, wird beschönigt mit Ausreden, die dem Kind nicht recht glaubhaft zu sein scheinen. Dann erfährt das Mädchen von anderen: die junge Frau sei tot, sie sei im Mai 1961 abgestürzt mit Flug AF406 über der algerischen Wüste. Es gab keine Überlebenden. Und es gab nur unklare und spärliche Angaben über die Gründe für den Absturz. Jahrzehnte später sucht die jetzt erwachsene Frau, für die dieses Verschwinden der „Fluchtpunkt (ihrer) Existenz“ geworden ist, nach Antworten – bei Behörden, bei der Flugsicherheit, im Internet. Und kommt nicht viel weiter.

Soweit die grobe Inhaltsangabe des Geschehens. Aber Offener Himmel ist kein Roman über eine Suche nach Gewissheit, ja eigentlich gar kein „Roman“ im üblichen Sinne mit einer mehr oder weniger linearen Handlung. Am Anfang tritt eine Frau, ein Schattenwesen, aus einem Chor heraus, um Zeugin zu sein. Sie folgt einer „Frau ohne Alter“, dem Kind von damals, in die Ausstellung I will survive mit Video-Installationen von Hito Steyerl. Die Unbekannte offenbart in zunächst zögernden, dann immer ausführlicheren Gesprächen die Gründe und Einzelheiten ihrer Suche nach den Ursachen des Absturzes, die inneren und äußeren Hindernisse, die Fragen, die Rätsel. Ihre Recherche lässt am Schluss zwei Möglichkeiten offen: ein Attentat auf die mitreisenden Politiker aus dem Tschad und der Zentralafrikanischen Republik oder ein versehentlicher Abschuss des französischen Militärs, das in dem Flugzeug Waffen für die FLN im algerischen Bürgerkrieg vermutete.

Langsam, sehr langsam schält sich diese reale Geschichte einer Flugzeugkatastrophe aus einem absolut faszinierenden Geflecht aus Reflektionen zu Tod und Leben, Ferne und Nähe, Reisen, Fliegen und Raumfahrt heraus. Der meisterhaft komponierte Assoziationsreigen, der sich aus Philosophie, Literatur, Kunst, Musik, Science fiction, Film, ja der gesamten condition humaine speist, übt einen melancholischen Zauber aus, dem man sich kaum entziehen kann. Am Ende bleibt man staunend zurück – und der Blick auf den „offenen Himmel“ wird für lange Zeit ein anderer sein.

Irmgard Hölscher, Frankfurt a.M.